Ildikó von Kürthy: Mondscheintarif.
Ein Roman über die (Single) Frauen

Text von Ibolya Boga

Cora Hübsch ist eine attraktive Fotografin, die das Leben der Single-Frauen über dreißig in einer Großstadt lebt. Sie ist genau dreiunddreißigdreiviertel Jahre alt und ist mit ihrer Arbeit, Möbelstücke für Kataloge zu fotografieren, nicht besonders zufrieden. Ihr Hauptproblem ist aber nicht der langweilige Beruf, sondern die Männer. Genau gesagt: nur ein Mann, Dr. med. Daniel Hofmann. Schon ihr erstes Treffen fand in einer ziemlich peinlichen Situation statt: Cora schüttete einen Teller Hummer und Kaviar-Kartoffeln auf den dunklen Anzug von Hofmann. Das passierte bei einer Filmpreisverleihung vor den Augen vieler Prominenter unmittelbar in der Nähe der Damentoilette. Bei ihrer zweiten Begegnung in der Sprechstunde des Arztes nimmt Cora ihren Mut zusammen und gibt dem Mann ihre Telefonnummer. Das Date gelingt gut, danach kommen aber schwierige Stunden und Tage, während Cora auf den Anruf von Daniel wartet. Der Titel des Romans weist auf diese Stunden hin. Die Freunde von Cora wissen auch nicht, wie lange eine Frau auf den Anruf eines Mannes warten soll. Cora schwankt zwischen Hoffnung und Verzweiflung. Das Ende verrate ich nicht, das sollt ihr selbst lesen.

Das Single-Leben als Thema ist seit einigen Jahren sehr beliebt in der Literatur. Der wahre Klassiker dieser Gattung ist Das Tagebuch von Bridget Jones, das der Autorin Helen Fielding Weltberühmtheit verlieh. Die Geschichte des Romans Mondscheintarif stimmt mehr oder weniger mit dem Roman Fieldings überein, trotzdem lohnt es sich, das deutsche Werk zu lesen. Ildikó von Kürthy beschreibt den Alltag von Cora Hübsch mit sehr viel Humor und Empatie. Die Heldin erlebt manch komische Situation, aber ihre Probleme – z.B. die Figur, Ordnung in der Wohnung, der Anruf des Partners – beschäftigen alle Frauen auf der Welt.

Der Roman erschien 1999 beim Rowohlt Verlag. Die ungarische Übersetzung wurde 2001 mit dem Titel Mikor hívsz már, te gazember vom Móra Verlag veröffentlicht.

Die Schriftstellerin

Ildikó von Kürthy ist 1968 in Aachen geboren. Nach dem Abitur und einem Jahr bei der Zeitschrift Eltern in München machte sie eine Ausbildung an der Hamburger Journalistenschule. Dann arbeitete sie als Redakteurin bei Brigitte und gewann 1994 für eine Sterbehospiz-Reportage den Axel-Springer-Preis für junge Journalisten. Seit 1996 ist sie Redakteurin im Unterhaltungsressort des Stern. Ihr erster Roman Mondscheintarif erschien 1999. Sie schrieb drei weitere Romane: Herzsprung (2001), Freizeichen (2003) und Blaue Wunder (2004).

Ihre Karriere als Schriftstellerin begann vor fünf Jahren, als Britta Hansen, die Lektorin des Rowohlt Verlags die Redakteurin anrief, ob sie Lust hätte, einen Roman über Frauen zu schreiben. Die Romane von Ildikó von Kürthy gelten als Frauenromane, obwohl sie – ihren eigenen Worten nach – nicht ausgesprochen für Frauen schreibt und nicht daran denkt, wem ihr Buch gefallen wird. Sie fühlt sich auf jeden Fall den Frauen näher und weiß nicht, ob sie einen Mann als Hauptfigur gut beschreiben könnte. Die Männer lesen übrigens nicht so gern über sich, wie die Frauen – meint die Schrift-stellerin.

Über das Schaffen verrät sie in einem Interview, dass sie vor dem Schreiben über einige Themen nachdenkt und viele Ideen aus Gesprächen mit ihren Freunden oder beim Friseur bekommt, aber die Handlung ihrer Romane ist nie bewusst geplant. Die ersten beiden Romane schrieb sie abends, bei schlechtem Wetter oder wenn es nichts Interessantes im Fernsehen gab. Das dritte Buch Freizeichen schrieb sie in Mallorca während des Urlaubs und sie nahm sich dabei auch immer Zeit zur Erholung in der Sonne.

Die Journalisten fragen sie immer, wie viel Prozent der Romane aus ihrem eigenen Leben stammt. Ihre Romane wirken deswegen so autobiographisch, weil sie schreibt, wie sie spricht – wie sie immer wieder behauptet. Sie erlebt nicht unbedingt dieselben Situationen wie ihre Heldinnen, aber die Gedanken könnten auch von ihr stammen. Die männlichen Kritiker bezeichnen ihre Heldinnen, besonders Cora Hübsch, als Großstadtneurotikerin, aber die Frauen können sich mit ihnen leicht identifizieren, weil sie auch mit ähnlichen Schwierigkeiten kämpfen.

Über die Männer denkt sie, dass sie Kommunikationsprobleme haben, deshalb haben es die Frauen über dreißig Jahren nicht gerade leicht. Die Schriftstellerin muss sich allerdings nicht mit der Partnerwahl beschäftigen, sie ist schon verheiratet.

erschienen im Insel-Heft 2005/1