Kaiba-Sama


Living to love you

Kapitel 2: The narrow-hearted leech

Mokuba begriff, was Joey so in Schrecken versetzte. Das schlimmste, und dass wussten sowohl Joey als auch Mokuba, war das Auftauchen von Kaiba.
Er würde Joey rausschmeißen, mit Leichtigkeit. Sicherlich gefiel es ihm sogar, den Blonden bei diesem Unwetter in der Nacht umhertapsen zu sehen.
Schon immer wollte er nur sein Schlimmstes und Joey fragte sich allmählich, warum er ihn
nicht endlich erschoss, wenn der Hass in ihm so groß war.

Schnell drehte sich Mokuba zu seinem Bruder um.
"Seto...?!", Kaiba stoppte seinen Redefluss mit einer Handbewegung, die weiteres Wiedersetzen nicht duldete.
Kaiba statt näher.
An seinem Bruder vorbeigehend, aber dennoch seine Augen auf Joey gerichtet, sprach er zu ihm.
"Wir sprechen uns später."
Geschockt über solch harte Worte von seinem eigenen Bruder, blieb er wie erstarrt stehen, nichts ausrichtend über das kommende Unheil.
Joey trat einige Schritte rückwärts. Er kannte sich selbst nicht so feige, doch sagten im all seine Sinne, dass es besser wäre sich heute nicht mit ihm anzulegen.

Sein Magen knurrte.

Joey umfasste seinen Bauch mit einer Hand und drückte etwas, um weiteres Knurren zu vermeiden.
"Wheeler, was tust du hier in meinem Haus?" - "Ich bin nicht zu dir gekommen, Kaiba." - "Geh wieder. Du hast hier nichts verloren!" - "Hast du schon mal aus dem Fenster gesehen?!!"
Selbst nicht bemerkend, hob sich seine Stimme. Er schrie, wollte Kaiba nicht hören, wie er diese Worte aussprach, die ihn nach draußen schmeißen sollten. Sein Blut kochte wieder einmal.
Dabei hatte er sich selbst geschworen die ganze Angelegenheit in Ruhe klären zu wollen und seinem Gegenspieler beweisen, dass er auch so seine Meinung an ihn bringen kann.

"Hört endlich auf!?"

Mokuba hob ebenfalls seine Stimme. "Seto! Es wäre Wahnsinn, ihn bei diesem Wetter raus zuschmeißen. Ich weiß, ihr versteht euch nicht. Aber wenigstens solange, bis der Regen aufhört."
Mokuba trat näher an seinen Bruder, legte seine Handfläche auf seinen Handrücken und sah ihn an. "Du willst auch nicht bei diesem Wetter draußen sein."
Kaiba sah kurz zu seinem Bruder. "Du enttäuschst mich, Mokuba.", er wandte sich wieder zu Joey. "Du hast hier nichts verloren. Also, geh!"
Er wiederholte seine Worte und zeigte zur Tür. Seine Stimme war rau, seine schmalen Lippen bebten. Man sah ihm an, dass er überrascht war, diesen jungen Mann in seiner Villa zu sehen. Keinesfalls wollte er ihn hier haben.
Nicht für Minuten, nicht für Stunden und sicherlich nicht für eine Ewigkeit.

Gepeinigt durch solchen Widerstand, durch Widersetzung seiner Befehle, weiteten sich seine Augen. Die Iris wurde kaum merklich schmaler.
Er glaubte Joey nichts, was er auch sagen möge, für ihn stand fest, dass der Blonde die Sache vor einigen Stunden vor dem Uhrengeschäft nicht vergessen hatte und heraus finden wollte, warum?, weshalb? und wieso?.

Kaiba war sich sicher, er wollte nur spionieren.
Sein Hass beruhte auf Gegenseitigkeit und sicherlich würde Joey keine Gelegenheit auslassen, um ihm zu schaden.
Sein Image wollte er nicht verlieren, die ganze Angelegenheit musste unentdeckt bleiben.
Nichts würde er riskieren.

Gar nichts.

"Seto! Ich bitte dich!"
"Du brauchst mir nicht zu helfen, Mokuba. Ich kann allein für mich sprechen..."

Ruhe trat ein.
Keiner sprach, nur das dumpfe Keuchen und das Knurren von Joey´ s Magen waren zu hören. Schon lange war es nutzlos geworden, seinen Bauch durch Drücken vom Knurren zu hindern.
Seine Lippen formten sich zu Wörtern, er wollte etwas sagen, doch ließ es dennoch sein. Solange Kaiba nichts sagte, war es ihm nur recht.

Er halluzinierte.

Kleine, gelbe Flecken erschienen vor seinen Augen. Leicht verschwammen sie, kehrten wieder an anderen Stellen zurück oder blieben vollkommen aus.

Joey schloss die Augen.

Er hasste es, solange seinen Magen unbeschäftigt zu lassen. Das knurren wurde unüberhörbar. Immer noch standen die zwei Kaibabrüder vor Joey. Der ältere, seine Augen kurz auf dem Fenster ruhend, spürte dessen Unbehagen.

Er würde nicht nachgeben.
Er musste ihn loswerden.
Wheeler sollte einfach wieder gehen...

Aus seinen Gedanken gerissen, hörte er Mokubas Schritte. Der Junge eilte zu Joey, wechselte mit ihm einige für Kaiba unverständliche Worte und rief nach Personal.
"Mokuba, du widersetzt dich mir?"
Enttäuscht verfolgte er die Situation. Aus dem Augenwinkel sah ihn Mokuba an.
"Er bleibt nur solange es gewittert. Du wirst in ja gar nicht sehen." Joey wieder zuwendend, murmelte er etwas in sich hinein.

Kaiba wollte all dem keinen Glauben schenken. Noch einmal sah er zu Joey. Kurz darauf drehte er sich um, seinen Schritt beschleunigend bog er am Ende der Treppe nach rechts und verschwand aus Joey´ s Augen in der Dunkelheit des schwach beleuchteten Ganges.

Joey seufzte leicht.
Zwar war er froh, dass Kaiba durch seinen Bruder etwas besänftigt wurde und mit Mühe sein Dasein ertrog, doch gefiel es ihm dennoch nicht. Er wollte Kaiba nichts böses, er keifte nur zurück.

Er tat im sogar leid.

Ständig schwafelte er von bester-Duellant-sein, doch im Grunde fehlten ihm Freunde. Ja, Joey war sich sicher, dass er, Seto Kaiba, keinen so schlechten Charakter haben konnte.
Er biss die Zähne zusammen, als ihm klar wurde, worüber er gerade nachdachte.
Und eigentlich kannte er ihn so gut, um sagen zu können, dass er nur ein verzogener, reicher Pinkel ist, dessen Charakter von Geld und Arroganz geprägt wurde. Kaiba war nichts weiter als ein verlogener Mensch, der es bestens verstand, sich selbst auf die Schippe zu nehmen.

Und dennoch....

Joey empfand in diesem Moment Reue. Er wünschte sich sogar der Regen möge aufhören, damit er endlich von hier wegkam und seine Gedanken nicht mit ihm verstopfte.
Das alles tat ihm nicht gut.

Mokuba lächelte.
Joey erwiderte.

Der Butler, der ihm die Tür geöffnet hatte, erschien wieder und bejahte die Anweisungen, die er von Mokuba erhielt. Mit einem höfflichgelangweilten "Darf ich bitten." hob er Joey´ s Jacke leicht an der Schulternaht an, um ihm das Ausziehen zu erleichtern. Überrascht zog Joey seine Arme aus der Jacke. Er war solchen Luxus nicht gewohnt und hielt es auch für übertrieben. Der Butler nahm die nasse Jacke und verschwand mit ihr in einem Nebenzimmer. Joey´ s Augen verfolgten ihn.
Leicht schläfrig schloss er sie.
Das Licht der Halle verschwamm, die Wärme berührte sanft seinen Körper.

"Mokuba. Ich will nichts essen, aber schlafen, das möchte ich."

Etwas verwirrt sah ihn der Junge an.
Das Knurren verriet eigentlich, was sein Körper wirklich brauchte.

Mokuba musterte ihn.
Ein hochgewachsener junger Mann, seine blonden Haare fielen ihm demonstrativ ins Gesicht, die Augen halb geöffnet, die Wärme genießend.
Trotz der Wärme im Raum zitterte er. Sein Pullover war durchnässt. Seine Hände müde am Körper hängend. Wie auf Befehl wischte er sich mit der rechten Hand an der unteren Pulloverseite kalte Regentropfen vom Gesicht.
"Ein Handtuch wär´ aber auch nicht schlecht."
Mokuba stimmte dem zu.
Joey schien Schlaf wirklich nötig zu haben. Er fragte sich, was mit ihm los war. Von seinem hitzigen Charakter kaum eine Spur geblieben. Weiterhin fiel ihm auf, dass er keine Debatte mit seinem Bruder angefangen hatte, wie sonst üblich auch.

Kurz und knapp, Joey hatte sich verändert.
Wie sehr und warum, das galt es herauszufinden.

Stumm nickte Mokuba. Ein Gedanken beflügelte seine Laune.
"Aber du hast doch sicher Hunger." Besorgt sah er in seine braunen Augen.
Einwenig matt, empfand Mokuba.
Joey´ s Kopfnicken sprach Bänder. Das abgewischte Gesicht, durch die Nässe des Pullovers immer noch feucht geblieben und durch weitere Tropfen benetzt, verneinte sichtlich das Angebot. Mokuba, leicht enttäuscht, lächelte dennoch und machte sich auf den Weg zur Treppe, auf der vor einigen Minuten noch Kaiba stand.

"Komm Joey. Du kannst heute in meinem Zimmer bleiben. Das wird schon okay sein. Seto arbeitet sowieso wieder die ganze Nacht durch, es wird ihm nicht auffallen." Joey wollte dagegen etwas sagen, es sei so nicht in Ordnung und das es nicht seine Absicht war, den jüngeren aus seinem Zimmer zu vertreiben, doch bevor er etwas sagen konnte, war Mokuba bereits auf der letzten Stufe der Treppe.

Joey folgte ihm.
Immer noch ungewiss, was ihn oben erwarten würde, folgte er willig seinem Beschützer.
Wie lange würde er brauchen, um wieder in seinen Gedanken bei Menschen zu sein, die er nicht mochte?

Er folgte Mokuba weiterhin. Der Gang erschien ihm viel zu lang, doch möglicherweise war es nur seine Müdigkeit, die alles verzerrte und in die Länge schob.
Joey hatte sich hier alles anders vorgestellt. Gesehen hatte er nur den Speisraum und einige kleine Räumlichkeiten. Der Stil der Villa passte sich an die späten Jahre der Klassik an. Die Wände waren glatt und strickt, wie man es von der Kaiba Corporation gewohnt war. Hin und wieder waren kleine Einzelheiten bis aufs Detail ausgearbeitet.

Gefiel es Kaiba überhaupt hier zu wohnen?

Und wieder war er bei ihm. Hämisch grinste er, während Mokuba in einen weiteren, dunklen Gang einbog und er ihm folgte. Joey erschien es, als wollte sein Verstand ihm einen Streich spielen. Es war doch natürlich, dass man sich Gedanken über Menschen machte, die in unmittelbaren Nähe waren. Er selbst stimmte diesem Gedanken zu und wusste, er belog sich mal wieder selbst.
Mokuba öffnete eine Tür.
"So. Da sind wir. Fühl dich wie Zuhause."
Bei den letzen Worten sah Joey ihn skeptisch an. Mokuba lächelte erneut verwegen und verschwand in dem Gang, aus welchem sie gerade eben gekommen waren. Wie konnte er sich hier wie Zuhause fühlen? Hier gab es keine engen Räume, keine Nachbarn, die die Hausordnung missachteten und immer meckerten, wenn sich eine günstige Gelegenheit bot. Hier gab es auch keine Kippen, die zahllos auf den Boden geschmissen wurden, oder Bierdosen, Flaschen, allerlei, das auf dem Boden lag und vor sich hingammelte, da keiner kam und diesem ein Ende setzte.
Joey erinnerte sich wieder an seinen Vater.
Früher räumte er von Zeit zu Zeit alles auf und entsorgte vorbildlich den Müll, doch neues setzte sich in Unmengen wieder an und die Mühe war umsonst gewesen, wie so vieles in seinem Leben.

Ein fröstelndes Gefühl überkam ihn.

Er war hier und sollte froh darüber sein, dass Kaiba, der reiche Pinkel, ihn solange duldete, wie es regnete. Danach kam er sicher aus seinem Versteck gekrochen und schmiss ihn raus. Joey stellte sich die Szene bildlich vor.
Nur das Kaiba nicht Kaiba war. Eine Kackaarlake tat´ s auch.
Joey würde ihn einfach zertreten und damit hat sich´ s.

Er lächelte.
Wenn Probleme nur so einfach aus dem Leben beseitigt werden könnten.

Noch immer stand er vor der geöffneten Tür. Wieder in der Realität, setzte er einen Fuß auf den anderen und trat ins Zimmer. Er schloss vorsichtig die Tür.
Etwas seltsames lag in der Luft.
Die Allegorie der Kackaarlacke längst vergessen, trat Joey in die Mitte des Zimmers. Eine leichte Woge gemischt aus Traurigkeit und Einsamkeit überkam ihn. Es war warm, gerade zu heiß. Joey sah sich um. Auch dieses Zimmer war groß und wurde darin umso verstärkt, in dem die Einrichtung minimal gehalten wurde. Vor ihm befand sich ein großes Fenster, die Vorhänge zugezogen.
Ein schwacher Lichtschein, gelblich und fahl, schien durch eine kleine Öffnung in der Mitte durch die Gardinen. Der Regen peitschte nach wie vor an die Fensterscheiben und er sah nicht danach aus, bald aufhören zu wollen.
Joey seufzte.
Möglicherweise würde er es noch schaffen etwas Ruhe seinem Körper zu gönnen. Er steuert aufs Bett zu. Dieses stand rechts neben dem Fenster, die große Fläche überzogen mit einer Decke lockte einladend seinen Verstand.
Er setzte sich. Sprang jedoch sofort auf, als ihm einfiel, dass seine Jeans noch vollkommen nass war und er für keinen erdenklichen Schaden aufkommen könnte. Er hätte Mokuba nach einem Bad fragen sollen. In so einer großen Villa wird es wohl mindestens eines geben. Weder Mokuba noch Kaiba rochen ungewaschen.

Im Gegenteil.

Seine empfindliche Nase verspürte einen angenehmen, sanften, geradezu verlockenden Duft, als er vor Kaiba auf der Treppe stand. Joey wunderte sich. Gewöhnlich roch Kaiba nach Parfüm, das ab und an zu stark aufgetragen wurde. Aber keinesfalls unangenehm oder störend.

In diesem Augenblick öffnete sich eine Tür. Mokuba trat ein. Hinter ihm derselbe Mann, der Joey zu Beginn die Tür geöffnet hatte und ihm beim Ausziehen der Jacke geholfen hatte. Womöglich, so dachte Joey kurz bei sich, sah er in diesem Augenblick auch aus, wie jemand, de Hilfe nötig hatte. Doch seine Jacke hätte er sich auch selbst ausziehen können.
Der Blonde fragte sich, ob er ihm beim Ausziehen seiner sämtlichen Klamotten helfen wollte und schwor sich, dass um jeden Preis zu verhindern.
Erst jetzt erkannte er einen großen Teller in der Hand des Beobachteten.
"Ich habe dir etwas mitgebracht. Iss einfach und schlaf, wenn du magst."
"Gibt's hier ein Bad? Wenigstens ein Klo?"

Mokuba brach in Gelächter aus.
Mit so einer Frage hatte er nicht gerechnet. Er fasste sich wieder, da Joey das Lachen nicht erwiderte und ernst auf eine Antwort wartete. "Natürlich haben wir hier so was!" Während der Butler den Teller neben das Bett auf einen Tisch stellte und sich dann eiligst zurückzog, zeigte Mokuba auf eine Tür auf der anderen Seite des Zimmers, die Joey gar nicht aufgefallen war.
"Du kannst auch duschen. Handtücher stehen immer bereit. Ruh dich aus...", etwas leiser sprach er zu ihm, "...ich werde Seto versuchen zu überreden, dass du solange bleiben kannst, wie du magst."
Joey merkte einen leisen Anflug von Unsicherheit. Mokuba konnte gegen den Willen seines Bruders nichts ausrichten und wenn dieser strikt dagegen war, so zog er die Sache auch durch. Gegen seine Familie würde Mokuba nichts sagen und einen Streit nicht riskieren, da er nur ihn hatte und alles auf ihn setzte.
Joey´ s müde Lippen formten ein Lächeln.
Wie schlecht es ihm auch ging, er wollte immer ein Lächeln übrig haben. Er erinnerte sich an einen Satz, dem er einst diese Einstellung zu verdanken hatte:
"Ein Tag ohne Lächeln, ist ein verlorener Tag."

Und Joey wollte keinen Tag in seinem Leben verlieren. Er wollte nicht so werden, wie Leute, die ihr Leben sinnlos an sich vorbeiziehen ließen und alles ertrogen, nur um etwas besseres zu sein.

Er wollte nicht so werden...

Sein Magen knurrte.
"Danke, Alter!"
Mokuba wünschte ihm guten Appetit und eine angenehme Nacht und ging ebenfalls. Die Tür fiel zu, die Dunkelheit des Raumes umhüllte seinen Körper. Warum hatte Mokuba eigentlich das Licht nicht angeschaltet? Diese Frage belästigte ihn. Einen Blick jedoch auf den Teller werfend, erschien sie ihm als überflüssig. Er setzte sich wieder aufs Bett, völlig seine nassen Klamotten vergessend und fing zu essen an.

Ohne auch nur die beschmierten Brötchen genau in Augenschein zu nehmen, sie könnten ja vergiftet sein, stopfte er einen nach dem anderen in den Mund, kaute fröhlich und schluckte alles runter. Um besseres Rutschen der Mahlzeit zu erreichen, griff er zu einem Glas mit O-Saft gefüllt, das ebenfalls gebracht wurde.

Mit jedem Bissen gefiel es ihm immer mehr, hier zu sein.

Er hob sich zwei weitere Brötchen auf. Diese wollte er sich nach einer warmen Dusche schmecken lassen. Er stand auf und ging nach der Tür, die ihm von Mokuba gezeigt wurde.
Ein schwacher Blitz am Horizont blendete den Himmel.
Durch diesen kurzen Schein des Lichtes fand er erfolgreich dir Tür, betrat das Bad und suchte nach dem Lichtschalter.
Wie von Geisterhand erhellte sich der Raum.
Als wenn es nicht genügte, dass automatisches Anschalten des Lichtes vorhanden war, erwies sich das Badezimmer als prunkvoll und gleichzeitig angenehm. Wie so vieles in der Villa wurde auch hier mit Dekoration gespart.

Eine große Badewanne befand sich zu seiner Rechten. Dahinter eine Dusche. Handtücher, Waschbecken, Klo, Bodenzeihung und allerlei Duschgel waren vorhanden.

Joey versicherte sich, dass das Badezimmer ab zu schließbar war und drehte den Schlüssel nach links, um nun allein mit sich selbst zu sein.

Enttäuscht stellte er fest, dass das reiche Angebot an Duschgel und Shampoo mit lauter für Kinder typischen Motiven ausgestattet war. Es wunderte ihn nicht, denn schließlich war es hier Mokubas Reich und was konnte er in seinem Alter schon groß mit sportlichem Männergeruch anfangen.
Erleichtert, seine nassen und schwergewordenen Klamotten endlich los zuwerden, zog er sich aus. Unordentlich legte er sie zusammen und stieg in die Duschkabine. Leicht drehte er den Hahn etwas auf, um das Grad des Wassers zu testen.

Lauwarme Flüssigkeit floss auf seine Hand.
Er drehte weiter auf.
Die Minuten verflossen, sein Körper empfang die ihm zugeteilte Wärme. Das pfirsichduftende Duschgel verteilte sich mit rotierenden Bewegungen des Schwammes auf seinem Körper.
Der Kopf im Nacken liegend, die Augen fiebrig geschlossen, tat er sich einen Gefallen...

Kleiner Schneehagel terrorisierte die Straßen.
Der heftige Wind schlug unausweichlich gegen Fensterscheiben und draußen parkende Autos. Mit einem Handtuch sich die Haare trockenreibend, stand Joey vor dem großen Fenster neben dem Bett. Er war froh, dass das Gewitter immer noch andauerte. Ein halbes Brötchen im Mund, ein weiteres Handtuch um die Hüfte gebunden, sah er dem Treiben müde zu.

Was er jetzt wohl getan hätte und wo er jetzt wäre, wenn nicht hier?

Sein Blick schweifte ab.
Nun fiel ihm ein fahler Lichtschein vors Auge. Er hatte diesen bereits gesehen, als er zum ersten mal das Zimmer betrat, doch bis jetzt dem keine Beachtung geschenkt.

Das Gegenüberliegende Fenster war hell erleuchtet.

Durch die Entfernung und durch einige Gebäudeteile fast verdeckt, erkannte Joey dennoch dir Person, die am Schreitisch saß. Kaiba, mit dem Rücken zum Fenster gewandt, blätterte in einigen Dokumenten, schrieb sich wichtige Notizen auf ein neben ihm liegendes Blatt Papier und tippte hin und wieder einiges auf seinem Laptop, das durch etliche Kabel mit anderen Geräten verbunden war.

Joey schreckte zurück.

Er hatte einen recht guten Blick auf ihn, oder eher auf seinen Rücken.
Sofort wich Joey einige Schritte ins Zimmer zurück, rannte zur Tür und legte hastig den Lichtschalter um.
Das Licht ging aus.
Erst jetzt verstand er, warum Mokuba das Licht nicht an zumachen gewagt hat. Genauso wie Joey einen guten Blick auf Kaiba hatte, so konnte dieser problemlos auch ihn sehen. Er atmete hörbar aus und hoffte, Kaiba wäre so in seine Arbeit vertieft, dass er nichts, vor allem ihn nicht, gesehen hatte.

Mokuba hätte mit ihm diese Weißheit teilen sollen.

Vor Schreck hatte er das Handtuch, das das wichtigste verdeckte, auf den Boden direkt am Fenster fallen gelassen.
Auf keinen Fall konnte er jetzt wieder dahin.
Er entschied sich wenigstens seine Boxershorts und mittlerweile getrocknete Jeans anzuziehen. Immer noch geschockt über solch eine Aussicht, holte er seine Sachen, zog diese an und schlich zum Fenster, seine Gestalt durch eine Gardine jedoch versteckt.
Voller Hast aß er sein halbfertiges Brötchen zuende.

Wusste Kaiba, dass er sich in Mokubas Zimmer aufhielt?

Zögernd streckte er seinen Oberkörper zum liegengebliebenen Handtuch. Joey nahm es zu sich und schmiss es aufs Bett. Er wandte sich wieder dem Fenster zu.

Seine Blicke glitten langsam über Kaibas Rücken.
Vollkommen verspannt und konzentriert in seine Arbeit saß er da. Seine Schultern bewegten sich leicht beim Schreiben. Er hatte sich wieder umgezogen. Anstatt des weißen Hemdes trug er einen schwarzen, engen Kragenpullover, das seinen Körperbau betonte.
Joey, auf dem Boden sitzend, den Kopf leicht zum Fenster wendend, erwischte sich mal wieder selbst dabei, wie seine Gedanken verbotene Zeile anstrebten.

Doch dieses Mall ließ er es zu.
Anstatt die Gardinen zu zuziehen, sich ins Bett zu legen und zu schlafen, entschied er sich, ihn weiterhin zu beobachten.

Joey fühlte ich leicht überlegen.
Da saß er nun, der Boden warm und angenehm. Sein Steißbein schmerzte trotzdem, doch ungeachtet dessen, kniff er seine Augen leicht zusammen, um mehr von Kaibas Tun mit zubekommen.
Möglicherweise würde er etwas machen, dass Joey vielleicht gut gegen ihn abwägen konnte.
Gierig wartete er nur darauf, dass Kaiba sich am Hintern kratzte, dass sein Laptop aus Überhitzung explodierte und dadurch seine Haare versenkt wurden.

Leicht grinste er.

Er wollte einfach einen Kaiba sehen, der mal nicht alles unter Kontrolle hatte. Der nicht all seine Bewegungen voraus plante. Einen Kaiba, dem menschliche Pannen passierten. Und auch er war schließlich nur ein menschliches Wesen, das Bedürfnisse hatte und diese gerne befriedigte.
Joey fragte sich, ob er den einmal in seinem Leben etwas verbotenes getan hatte.

Er seufzte.

Der Schmerz im Steißbein wurde intensiver.
Er stand auf.
Mit der Zeit wurde es langweilig, dass 'UKO' - 'Unbekanntes Kaiba Objekt' - zu beobachten. Die einzigsten Lebenszeichen, die er von sich gab, waren die leichten Bewegungen seines Körpers, wenn er schrieb oder er seine Finger durch irgend welche Papiere gleiten ließ.

Ein weiteres Mal durchzog ein greller Blitzt das Firmament.

Joey zog seine Jeans aus, schmiss sie ebenfalls unsorgsam aufs Bett zum Handtuch am Fußende und kroch unter die Decke. Weiches Material umhüllte seinen müden Körper. Er legte sich auf die Seite, zog seine rechte Hand näher an sich und legte sie über die Taille. Seine zweite Hand verschwand unter dem Kissen, in dass er seinen Kopf eingebettet hatte.
Seine Augen verfolgten den fahlen Lichtschein auf dem Boden vor dem Fenster.

Das heftige rütteln des Windes an den Fensterscheiben und das Donner, das immer stärker wurde, störten ihn nicht. Seine Augen schlossen sich.
Er wollte schlafen.
Wollte vergessen...

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